Hallo Oliver,
SV im polizeilichen Einsatz muss man immer aus zwei verschiedenen Perspektiven betrachten. Der eine und m. E. für unsere Frage wesentliche, weil rein defensive Aspekt ist die Eigensicherung. Hier kommt es darauf an, nicht in eine Opferrolle zu geraten. Es kann sich um scheinbar ganz belanglose Situationen handeln, in die durchaus auch ein Kellner mit einem aggressiven Gast geraten kann. Das ist auch der Grund, warum ich oben Boxen erwähnt hatte. Das Boxtraining hat nämlich eine ganz stark defensive Komponente, d. h. man erkennt spontane Angriffe rechtzeitig und reagiert intuitiv richtig, indem man sich deckt oder ausweicht. Dies lernt man recht schnell, aber Boxen soll hier natürlich nicht das Thema sein. Unter diesem Aspekt halte ich Aikido für eine ideale Budo-Form für die polizeiliche Eigensicherung, insbesondere da es mit Haltetechniken und Hebeln eine Fülle von Möglichkeiten bietet, die Fortsetzung des Kampfes mit geringem Schaden für den Gegner zu verhindern. Es erfordert aber jahrelanges Üben, Disziplin und viel Ausdauer und ist m. E. daher für die praxisbezogene, breit angelegte Basiausbildung bei der Polizei nicht geeignet, wenn man es kann, ist es natürlich nützlich. Ich sehe hier auch keine Widersprüche zur Philosophie des Aikido.
In anderen Einsatzsituationen, die eher keinen defensiven Charakter haben, kann ich deine Vorbehalte nachvollziehen, solche Situationen kennzeichnen aber m. E. nicht den polizeilichen Alltag.
Gruß
Jörg
Hallo Jörg,
ich verstehe schon was Du meinst und gebe Dir auch Recht dass es nützlich, in solchen Berufen ist wenn man Aikido kann. Ich meinte lediglich das Aikido nicht meine Wahl wäre wenn ich Polizist wäre oder ich mir nicht vorstellen kann das eine Ausbildung in Aikido in ein Ausbildungsprogramm der Polizei aufgenommen werden würde.
Jetzt kommt bestimmt die Frage "warum würde ich nicht Aikido wählen wenn ich Polizist wäre"

Weil mir die Ausbildung zu lange dauern würde und ich Aikido in solchen Situationen nicht als zweckmäßig empfinde.
SV als Privatperson und SV als Polizist, Vollzugsbeamter oder ähnlichem unterscheiden sich etwas schätze ich.
Als Privatperson achte ich auf meine Unversehrtheit und werde einem Kampf so gut wie möglich aus dem Weg gehen. Wenn dies nicht möglich ist werde ich defensiv agieren.
Als Polizist kann ich mir nicht leisten dem Aggressor aus dem Weg zu gehen, ich habe ja einen "Schutzauftrag". Ich muss die Situation unter Kontrolle bringen und kann nicht warten bis mir der, unfreiwillige, Uke die Kontrolle praktisch in die Hand drückt. Die Handlungen sind also wesentlich aggressiver als die einer Person die "nur" sich selbst verteidigt. Puh, schwer zu erklären, wird klar was ich meine?
lg
Oliver