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Janina Eisner - Interview (Teil 1)

Horst Schwickerath interviewt Janina Eisner

Aufmerksam geworden bin ich auf Dich Janina, durch die Kenntnis, dass Du eine Homepage im Internet hast, auf der Du Deine Körperarbeit und Bewegung darstellst. Sowie "Geist, Gefühl und Körper". Aber Gymnastik, Theater und Aikido sind aber auch dort aufgeführt. Mit dem Körper verbinde ich das sprachliche und dargestellte Theater, Gesang – Tanz kann ich mir in diesem Zusammenhang auch noch vorstellen, aber "Körperarbeit"?

Dass der Körper primär ist . Einer meiner Kurse z. B. heißt : „das Theater mit dem Körper“, was zweideutig ist, denn es spricht die körperliche und psychische Ebene gleichzeitig an. Körperarbeit heißt, dass wir den Körper primär einsetzen, zwar auch Sprache benützen, aber der Körper hat Priorität.

Was ist Ballett?

Das ist auch Bewegungskunst, ich würde mich auch als Bewegungskünstlerin, Pädagogin und als Sammlerin bezeichnen. Mein Beruf besteht aus diesen drei Bereichen die ineinander fließen. Mein "beruflicher Alltag" ist sehr „vielschichtig", an einer Schwerhörigenschule unterrichte ich Sport und Bildende Kunst, gefolgt von Kursen unterschiedlicher Thematik. Neben meiner Unterrichtstätigkeit spielte ich dann auch in einem Ensemble, seit ca. zehn Jahren bin ich als Solistin auf der Bühne. Aikido ist als neuester Teil dabei, es dient wie die anderen Teile zur künstlerischen Gestaltung und meiner persönlichen Lebensgestaltung.

Du hast vorhin aus dem Text meines ersten Programms „Zwiebeleien & Nullpunkt“ gelesen. Dort versuche ich Körper, Geist und Seele zu verbinden.

Es hört sich so an, als ob Du da schon einige Jährchen am Körper-Werke bist?

Ja, es baute sich auf, erst war es der künstlerische Anspruch, Formen, die mich faszinierten und ansprachen, dann kam das Aikido dazu. Aber die Entwicklung verlief nicht parallel.

Letzthin las ich ein Buch über Meditationstechnik, dort wurden Faktoren oder Prinzipien als wichtig erarbeitet. Ich stellte fest, das ich sie wunderbar umsetzen kann für meine Bereiche, meine Aktivitäten, mein Leben. So wie der Faktor, den wir heute in Deinem Training wieder erfahren konnten: „den Geist des Anfängers" bewahren. Jede Minute ist Kostbar, wir müssen sie aber immer wieder neu erleben. Frei sein von Erwartungen, Bewertungen vergangener Erfahrung wird im Faktor „nicht bewerten“ deutlich. Ein weiteres Prinzip ist die „Geduld“. Da fiel mir auf, dass dieses Wort zur Zeit weltpolitische Bedeutung hat, dass mit etwas Geduld der Irakkrieg hätte verhindert werden können nach Meinung mancher Politiker. Ich kann es auf alle Bereiche übertragen, denn Geduld brauche ich in allen meinen Bereichen.

Ein weiterer Faktor ist das "nicht greifen". Wir haben ja immer ein Ziel, mit jeder Handlung verfolgen wir einen Zweck und gerade dies wäre ein echtes Hindernis für die Meditation. Diese geistige Einstellung, das „nicht greifen“ auf Aikido zu übertragen bedeutet für mich einfach Aikido machen und dabei nicht nach dem nächsten Gürtel oder Dan greifen. Man kann jetzt das nicht unbedingt auf das Theater übertragen, denn dort gelten andere Gesetze. Mit meinen Gedanken bin ich immer noch in Deinem Training und stelle für mich fest: ich habe nicht mit Aikido begonnen, um mich besser verteidigen zu können. Das hieße ja, dass ich vorher nicht in der Lage gewesen wäre . So war mir klar, im Aikido ist der Weg das Ziel, das passt mit dem Prinzip der Meditation zusammen. Das fasziniert mich, das ist für mich logisch, begreifbar.

Ein weiterer Punkt war die Akzeptanz, gerade im Aikido können wir als Uke viel über die Akzeptanz lernen, eben über den Schmerz. Akzeptanz heißt also auch Schmerzen ertragen. Von Schopenhauer las ich die Worte: „Schmerzen in Wissen umwandeln“, was ich so auch gerne übernahm.

Aber Aikido hat etwas mit Harmonie und nicht mit Schmerzen ertragen zu tun, schmerzen erfahre ich, weil Tori unfähig ist, seine Technik richtig auszuführen. Weil dieser Aikidoka nie lernte Aikido zu praktizieren.

Das ist sicherlich abhängig von der persönlichen Entwicklungsstufe eines Aikidoka die Technik so auszuführen, dass sie zwingend und nicht schmerzhaft ist. Oft wird ja mangelnde Technik und mangelnde Übung durch Kraft und Brutalität ersetzt. Wenn ich das dann als Uke so erfahre und fühle, da heißt es für mich, da musst du durch und ganz wichtig: bei der eigenen Ausführung der Technik auf die Aikidoprinzipien achten. So kann ich meine eigenen Fehler auch sofort selbst erkennen, Techniken können dann auch misslingen was mich dann natürlich emotional schmerzt. Denn Schmerzen erfahre ich ja nicht nur auf der körperlichen Ebene.

Warum dieses fröhlich, witzig lustige im Text Deiner Homepage?

Weil ich im Leben das Schöne, Humorvolle, das was mir Freude macht suche und ich mich besonders für die komische Seite des Lebens interessiere. Humor ist mich sehr wichtig. Ich bin ein wenig epikureisch angehaucht, ich möchte genießen. Durch den Humor bekommen Situationen und Tätigkeiten eine Leichtigkeit, ich lerne und lehre leichter. So wie heute auf der Matte, ich bin ja im Kopf immer noch in Deinem Training. Wenn Du vorzeigst, dann sehe ich ja das Universelle, die Leichtigkeit, den Humor als Ganzheit. Das gehört zusammen, dann ist es ein Genuss.

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Von: Horst Schwickerath (Aikidojournal)   Erstellt am:2007-01-25    Letzte Änderung:2007-02-05

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